Ein Gesicht realgetreu zu zeichnen ist vermutlich eine der
größten zeichnerischen Herausforderungen. Es gibt kein Patentrezept,
dennoch sind hier einige Standardmerkmale, die ich weitergeben kann und
für mich sehr gut funktionieren:
- Das Gesicht kann in etwa 3 Teile geteilt werden:
1/3 reicht vom Haaransatz bis zur Augenbrauenmitte,
2/3 beginnt zwischen den Augenbrauen und endet an der Nasenspitze
3/3 reicht von der Nasenspitze bis zum Kinn.
Es handelt sich hier um ungefähre Maße. Natürlich ist auch
immer die Perspektive zu beachten.
Weitere Grundmerkmale sind zudem
- Die Augen sind immer in einer Linie bzw. besser ausgedrückt in einem
Bogen (da Gesicht und Kopf rund geformt sind).
- Der Abstand zwischen den Augen selbst misst etwa die Breite eines Auges.
- Parallel zu Augen steht der Mund. Außerdem stehen Augen und Mund "deckungsgleich" zur Mittelinie,
die Senkrecht durch das Gesicht verläuft.
Egal welche Perspektive, diese Merkmale bleiben stets die selben.
Diese Erklärung scheint logisch und möglicherweise unnötig, dennoch sieht man häufig bei ungeübten Zeichnern, dass diese Standardangaben nicht übereinstimmen.
Dies führt widerum zu einer Asymmetrie des Gesichts, daher es sieht "schief" aus.
Zur Veranschaulichung sind hier einige Skizzenbeispiele mit unterschiedlichen
Blickrichtungen und Perspektiven:
Ich habe eine gebogene Linie durch die Mitte des Gesichts zur Verdeutlichung
gezeichnet. Von dort aus ist es einfacher weitere Maße zu nehmen.
Zudem habe ich die parallelen Bögen durch Augen und Mundpartie eingezeichnet.
Trotz der 4 Unterschiedlichen Positionen bleiben diese Linien stehts angepasst
- egal ob der Kopf gesenkt ist oder die Blickrichtung nach oben geht.
Die oben genannte Dreiteilung ist nicht extra eingezeichnet, kann jedoch
leicht nachgemessen werden.
Für mich persönlich ist es am Leichtesten mit der Augen und Nasenpartie
zu beginnen, sprich dem Zentrum. Von diesem Ausgangspunkt aus lassen sich
leichter die restlichen Proportionen zeichnen. Dies ist jedoch jedem selbst
überlassen.
Ich rate anfangs nur die Umrisse zu zeichnen. Für Schattierung und
Schraffur müssen erst einmal die Proportionen stimmen.
Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für die richtigen Proportionen
und lernt Dinge zu sehen die das ungeübt Auge nicht sieht.
Wenn es darum geht ein nahezu identisches Abbild einer reale Person zu zeichnen
und nicht nur irgendein menschliches Gesicht, benötigt es mehr als
technische Angaben.
Jedes Gesicht ist anders. Jede Person hat etwas Besonderes und spezielle
Eigenheiten, dies beinhaltet unterschieldich Augen, Nasen, Lippenformen, längere oder runde Gesichchtsform, manchmal auch leichte Unsymmetrien usw.
Daher ist es immer gut im Sinne zu behalten wen man zeichnet. Es handelt
sich nicht einfach um irgendein Objekt sondern um eine bestimmte Person. Es gibt soviele unterschiedliche Feinheiten wie es Menschen gibt.
Schlussendlich gibt es nur einen Trick und der heißt Übung. |